Leopold Szondi  

Schicksalsdiagnostik - Spiegel der Wandlungen


 

Der Anspruch der Schicksalsdiagnostik
Mit der Schicksalsdiagnostik, auch Experimentelle Triebdiagnostik oder Szondi-Test genannt, verknüpfte Szondi seit Beginn Erwartungen und Zielsetzungen, die weit über all das hinausgehen, was je von einem Persönlichkeitstest und Instrument zur psychologischen Diagnostik erwartet und als einlösbar betrachtet wurde. Vielmehr verbindet Leopold Szondi mit der Experimentellen Triebdiagnostik Anschauungen und Ansprüche, wie sie „intuitiven Divinationsmethoden“ im Sinne von C.G. Jung eigen sind.
Mit der Schicksalsdiagnostik erhebt Szondi den unbescheidenen Anspruch, bis zu den genbiologischen Wurzeln vorzudringen, die den Lebenslauf des Menschen lenken. Deshalb bezeichnet Szondi (1972, 209) sein schicksalsdiagnostisches Instrument kurz als „Wurzeltest“.
Den graphischen Ausdruck gewinnt die Schicksalsdiagnostik im Testprofil. Das Triebprofil soll Abbild eines Schicksalsplanes sein, der wie ein unsichtbares Drehbuch das Leben des Menschen von der Geburt bis zum Tode zu einer Schicksalsgestalt formt (Szondi 1937, 2, 76; 1944, 1, 3, 9; 1948, 23, 30, 403. Szondi (1954, 18) bezeichnet diesen Schicksalsplan als familiäres Unbewusstes“. Die „verborgene Hand“ des Schicksals, deren Wirken durch die Intuition des Schicksalsdiagnostikers ans Licht gebracht wird, führt den Menschen durch das „Labyrinth des Lebens“ (Szondi 1937, 2, 78; 1948, 23, 30, 403; 1954, 18; 1972, 97, 160, 205, 209, 210f). Die Schicksalsdiagnostik beansprucht, schicksalsbestimmende Lebensmuster der Vorfahren sichtbar machen zu können. Vergangene, gegenwärtige und künftige Schicksalsmöglichkeiten Einzelner, von Völkern und Kulturen in den Gestaltungen der Testprofile ihren Ausdruck finden zu lassen, dies ist der Anspruch der schicksalsdiagnostischen Kunst (Szondi 1954; 1972, 68, 208f, 399). Mit Hilfe der Schicksalsdiagnostik sollen die Wirkungen des Genotropismus sichtbar gemacht werden. Diese Wirkungen umfassen „alle unbewussten Begegnungen, Koinzidenzen und Wahlen im erotischen, freundschaftlichen und beruflichen Zusammentreffen zweier Menschen, also alle Formen der Paarbildung“ (Szondi 1954, 16). Durch die Experimentellen Trieb- und Ichdiagnostik werden gemäss Szondi „native Strukturen und Wurzelprozesse des Unbewussten wie in der Radiologie durchleuchtet.“ (Szondi 1972, 212). Die Wesensschau der Schicksalsdiagnostik soll die Wandlungen und die sich stets wandelnden Übergangszustände im Ich- und Triebleben sichtbar machen (Szondi 1947, 211-219; 1952, 29; 1954, 32; 1956, 23f, 34f, 36; 1963, 40; 1972, 68, 209, 399). Die Profile der Schicksalsdiagnostik werden zum Abbild der Personwerdung (Szondi 1952, 30; 1956, 105). Nach Szondi (1952, 155; 1956, 105; 1972, 97, 211) spiegeln sie wider, wie weit ein Mensch in seiner Lebensaufgabe fortgeschritten ist, die abgespaltenen, zu Dualismen gewordenen, einstigen Polaritäten wieder zu einem polaren Spannungsverhältnis zusammenzuführen und die Polaritäten zu guter Letzt, in eine sie überbrückende Einheit zu transzendieren (Szondi 1952, 155; 1956, 105; 1972, 96, 97, 169, 209, 210, 211, 232).
Leopold Szondi (1960) sah seine Schicksalsdiagnostik, wenigstens auf längere Sicht hin, dem Anspruch genügen, die Schillersche Idee eines Linnéschen Bestimmungssystems für Menschen umzusetzen: Menschen sollen im faktoriellen Koordinatensystem der Schicksalsdiagnostik vermessen und geortet werden. Szondi sah vor, analog den Blutgruppenbestimmungen für den Blutspendedienst, die Triebgruppen von Menschen für eine „Seelenspende“ in öffentlichen „Seelenspendestationen“ zu bestimmen. Damit sollte es dem Schicksalsdiagnostiker möglich werden, Helfer mit Menschen in Not dergestalt zusammenzuführen, dass Helfer und Notleidende derselben Triebgruppe angehören. Denn erst die Trieb- und Seelenverwandtschaft schafft nach Szondi die Voraussetzung für jene partizipative Verbindung zwischen Helfer und Hilfesuchenden, welche einer effizienten Hilfe zugrunde liegt (Gerster 1954).
Die Schicksalsdiagnostik beansprucht einen ambitiösen Einsatzbereich. Szondi betrachtete seine Experimentelle Triebdiagnostik als weiterführendes Forschungsinstrument auf folgenden Gebieten: Öffentliches Gesundheitswesen mit Seelenspendestationen, Psychotherapie (Diagnostik und Prognostik), Pädagogik, Heilerziehung, Ethik und Moral, Religionswissenschaften, Kriminologie und forensische Psychiatrie, Psychosomatik, Berufsberatung, Entwicklungspsychologie, Ethnologie, Paarberatung, Psychopharmakologie und Schocktherapien (Elektro-, Insulin- und Cardiazoltherapien), Parapsychologie und last but non least Genetik.

Die „Ursprache“ der Schicksalsdiagnostik
Dass Szondi in seiner Experimentellen Triebdiagnostik unvergleichlich mehr erblickt als lediglich einen projektiven Persönlichkeitstest im Rahmen der Testpsychologie seiner Zeit, beweist auch seine Gleichstellung der Strukturelemente der Schicksalsdiagnostik mit einer „Ursprache“. Szondi (1952, 155) hat nämlich im Anschluss an Überlegungen des Sprachwissenschaftlers Karl Abel (1837-1906) die Bildwahl- und Protokollierungssprache der Schicksalsdiagnostik als archaische Form einer „Ursprache“ betrachtet und sie vergleichsweise in die Nähe der „Ursprache der Ägypter“ gerückt. Nach Szondi zeichnet sich eine „Ursprache“ dadurch aus, dass durch sie in geeigneter Form „Gegensätze zu einer Einheit, zu einer Ganzheit zusammengespannt werden.“
“Ursprachen” sind nach Szondi charakterisiert durch “Worte mit polar entgegengesetzten Bedeutungen” oder durch Komposita “in denen zwei Vokabeln von einsinniger, aber einander widersprechender Bedeutung vereint werden” (Szondi 1952, 154f).
In der schicksalsdiagnostischen Ursprache bilden die acht faktoriellen Polaritäten die “Urworte” mit polar entgegengesetzten Bedeutungen.
 
h±    s±    e±    hy±    k±    p±    d±    m±

Abb. 1 Die acht “Urworte” der schicksalsanalytischen Ursprache

Die vier Quadritendenz-Vektorbilder, auch als “Ganztriebbilder” bezeichnet, bilden gemäss Szondi mit ihren je zwei “faktoriellen” und “vektoriellen Polaritäten” die ursprachlichen “Komposita” mit ihren beiden “Vokabeln von einsinniger, aber einander widersprechenden Bedeutung” (Szondi 1947, 10; 1952, 107, 155)

S± ±        P± ±        SCH± ±        C± ±

Abb. 2 Die vier “Komposita” der schicksalsdiagnostischen Ursprache

Die Ursprache der Schicksalsdiagnostik vermag nach Szondi Polaritäten in ihrem komplementären Zueinander auszudrücken. Die Protokollierungen PLUS (+) und MINUS (-) für die Sympathie- respektive Antipathiewahlen werden im schicksalsdiagnostischen Experiment („Experimentelle Triebdiagostik”) zu Symbolen von acht grundlegenden, komplementären faktoriellen Polaritäten mit ihren je zwei faktoriellen Tendenzen (Polen). Bekanntlich ist beim schicksalsdiagnostischen Bildverfahren (“Szondi-Test“ oder „Experimentelle Triebdiagnostik”) jedes der sechs Gesichtsportraits pro Faktor in Bezug auf seine Tendenzrichtung entweder als positiv (+), d.h. als sympathisch, oder als negative (-), d.h. als antipathisch, zu wählen. Die wählende Person wird durch die Testanweisung vor die Alternative gestellt, ein Gesicht entweder als sympathisch (+) oder als unsympathisch (-) zu wählen. Dennoch versteht Szondi seine Ursprache keineswegs als Sprache, welche Dualismen erzeugt bezw. ausdrücken soll, wie das dualisierende “Entweder-Oder“-Muster der Anweisung nahelegen könnte. Im Gegenteil, die schicksalsdiagnostische Ursprache sollte Pole zu einer Einheit zusammenspannen. Das schicksalsdiagnostische Bildwahlverfahren geht davon aus, dass jedes Gesichtsportrait als Repräsentanz eines Faktors in sich zwei seelisch und letztlich auch genetisch-biologisch verankerte Polaritäten vereinigt. Mit einer Plus- bzw. Minuswahl offenbart die wählende Person – und darauf kommt es im schicksalsdiagnostischen Bildverfahren an – durch welchen faktoriellen Pol er sich im Zeitpunkt der Wahl am meisten, sei es im positiven oder negativen Sinn, ansprechen lässt. Der nicht gewählte Pol einer Polarität verbleibt verbunden im Hintergrund. Dieser Einsicht trägt der Schicksalsanalytiker dadurch Rechnung, dass er eo ipso die Tendenzenrichtungen (+, -) des Vordergrundes („Vordergängers“) mit den polaren Tendenzen (-, +) des Hintergrundes („Hintergängers“) zum Ganzbild eines Faktors oder Vektors ergänzt. Es gibt in der Schicksalsdiagnostik Szondis kein Plus ohne Minus, wie auch kein Minus ohne Plus. Das hintergründige Plus (+) verleiht dem vordergründigen Minus (-) eine besondere „Färbung“ oder Tönung und vice versa. Szondi (1952, 139; 1956, 281; 1972, 233) spricht in diesem Zusammenhang von faktoriellen und vektoriellen „simultanen Kontrastwirkungen“ und von „Wirkungssimultaneität“ des Vorder- und Hintergängers der Seele. Durch die dualisierende Wahlanweisung kann die Schicksalsdiagnostik lediglich sichtbar machen, mit welchen aus der polar-komplementären Beziehung abgespaltenen und isolierten Polen sich die wählende Person identifiziert und welche Pole er vernachlässigt.
Aus den acht Faktoren bauen sich vier Trieb-Vektoren oder Schicksalskreise auf. Jeder Vektor besteht aus zwei Faktoren.  Pro Faktor ergeben sich vier Protokollierungsmöglichkeiten für getätigte Bildwahlen: +, -, ± und 0. Die Nullreaktion (0) deutet daraufhin, dass von den sechs Portraits pro Faktor keines oder nur ein sympathisches (+) bzw. ein unsympathisches (-) oder ein sympathisches und ein unsympathisches gewählt worden ist (Szondi 1972, 52). Bei der „ambivalenten Vollreaktionen“ (±) wurden von den sechs Portraits pro Faktor zwei oder drei Bilder als sympathisch, die anderen zwei oder drei als sympathisch gewählt; in einer weiteren Variante vier Portraits als sympathisch bzw. unsympathisch, zwei dagegen in der entgegengesetzten Wahlrichtung (Szondi 1972, 57).
Für einen Vektor ergeben sich insgesamt 16 Vektorbilder, für alle vier Vektoren insgesamt 64 Vektorbilder, welche die „Bausteine“ der Schicksalspläne des Menschen bilden und in der Schicksalsdiagnostik visualisiert werden (Szondi 1972, 65). Der Grundwortschatz der schicksalsanalytischen Ursprache  findet ihren integralen und verdichteten Ausdruck im „Urprofil“ der Schicksalsdiagnostik (Moser 1953; vgl. Szondi 1972, 87, 96,  232; 1980, 28).
 

h±    s±    e±    hy±     k±    p±     d±    m±

Abb. 3 Das „Urprofil“ der Schicksalsdiagnostik

Urprofil der Schicksalsdiagnostik und Bausteine des Schicksals nach Szondi
Das Urprofil drückt nach Szondi sowohl die Ganzheit der Seele im vorpersönlichen „Genleben“ vor der Reduktionsteilung und im vorgeburtlichen, bisexuellen Emryostadium aus. Es sei daran erinnert, dass Szondi das menschliche Leben bereits vor der Zeugung als „Genleben“ begreift (Szondi 1944, 306f).
Das Urprofil drückt auch final das Voll- und Ganzwesen des „homo humanus“, die Vollendungsgestalt des Menschen aus. Nach Szondi sind Polaritäten aus der Einheit geboren und schliessen den Begriff der Ganzheit ein. Im Urprofil fallen alle Urpolaritäten unterschiedslos zusammen. Das Urprofil wird zum Symbol der mystischen „Coincidentia oppositorum“ (Nikolaus von Kues). Es wird zum Aus-Druck des „Ungrundes“ der Seele als „absolute Indifferenz“ und als „Weder-Noch“, der uranfänglichen „undiffenzierten ES-Ich-Matrix“, des Inbegriffes absoluter Freiheit (Szondi 1963, 34-36; vgl. Bürgi 1988). Die durch das Urprofil graphisch angedeutete gegensatzlose Seinswirklichkeit bleibt dem Menschen in einer einseitig mental-rationalen, „k“-dimensionalen (nach Szondi) Bewusstseinsverfassung unzugänglich. Für Szondi bleibt eine wenigstens partielle Annäherung an die verlustig gegangene Einheit und Ganzheit das höchste Lebensziel des Menschen (Szondi 1952, 136ff; vgl. Bürgi 1988, 1988a, 1989). Die Zerspaltung und Dualisierung der unterschiedslosen Einheit wird nach Szondi vorangetrieben durch die unterschiedliche, durch das Erbe und die Umwelt beeinflusste „Durchschlagskraft“ der einzelnen Polaritäten und Pole und durch die Entwicklung eines einseitig auf die rational-begriffliche, „k“-dimensionale Wirklichkeitserfassung fixierten Ich. Die Fragmentierung der Seele schlägt sich im schicksalsdiagnostischen Profil in horizontalen (++, --), vertikalen (±0, 0±) und diagonalen Spaltungen (+-, -+) nieder. In seiner Sicht der Person- und Menschwerdung skizziert Szondi, wie die uranfängliche, vorgeburtliche Einheit und Ganzheit des Menschen – symbolisiert im „Urprofil“ der Schicksalsdiagnostik – alsbald nach der Geburt verloren geht. Die Spaltungen führen den Menschen weg von seiner Ganzheit und vom Ziel der Person- und Menschwerdung, nämlich der Wiedererlangung der übergegensätzlichen Ganz- und Vollwesenheit. In der schicksalsdiagnostischen Deutungspraxis spielt das Urprofil die Rolle eines eigentlichen Orientierungs- und Bezugspunktes. Die einmal gewählten Strebungskombinationen des sogenannten „Normalprofils“ oder „Vordergrundprofils“ (VGP), welche das funktionale System des „Vordergängers“ bilden, werden immer durch die nichtgewählten Strebungen des wirklichen „Hintergängers“, des theoretischen Komplementprofils (ThKP) zum Idealbild der Ganzheit (Urprofil, Ganzprofil= GP) ergänzt. Der Hintergänger wird gewonnen durch die komplementäre Ergänzung des vordergründigen Normalprofils zum Urprofil. Das folgende Beispiel soll das Gesagte illustrieren:

                h    s    e    hy    k    p    d    m
VPG          +    +    +    -      -    +    0    ±
THKP        -     -     -    +     +    -    ±    0
GP            ±    ±    ±    ±     ±    ±    ±    ±

Abb. 4 Das Urprofil der Schicksalsdiagnostik: Grundwortschatz der „Ursprache“ der Schicksalsdiagnostik

Damit drückt der Schicksalsanalytiker seine paradox klingende Grundüberzeugung aus, dass selbst nichtgewählte, hintergründige Polaritäten als Abwesende doch anwesend und simultan im Vordergründigen wirksam sind. „Vordergänger und wirklicher Hintergänger sind – wie siamesische Zwillinge – aneinandergebunden“ (Szondi 1972, 88, 232) In ihrer polaren Gebundenheit, „die eine Form der Selbststeuerung zu sein“ scheint, machen sie erst das Ganze aus, letzteres symbolisiert im Ganzprofil (GP).

Die 64 „Bausteine“ des Schicksals nach Szondi
Durch die Spaltungen und Zergliederungen des Urprofils ergeben sich die nachstehenden 64 Vektorbilder, d.h. die „64 Bausteine“ der menschlichen Schicksalspläne. Sie sind in der folgenden Tabelle in einer funktionalen, d.h. die polare Vorder-und Hintergängerdynamik berücksichtigenden Einteilung wiedergegeben.


Abb. 5 Funktionale Einteilung der 64 „Bausteine“ menschlicher Schicksalspläne nach Teilungsarten und Vektoren bzw. Schicksalskreisen. Die Nummerierung der Vektorbilder nach Szondi (1972, 97)

Das „Schicksalsrad“ nach Leopold Szondi
Nach Szondi (1972, 83; 1984, 12) liegt dem menschlichen Schicksalslauf ein ausserzeitliches axiales, oktogonales Ordnungsmuster zugrunde. Es beruht auf der paarweisen Anordnung der acht polar strukturierten Triebkräfte („Faktoren“, zeitlose „Radikale“). Im idealtypischen Zustande des dynamischen Gleichgewichtes liegen die die Kräftepaare, die polhaften Tendenzrichtungen der Faktoren auf derselben Achse und bilden so eine Einheit. Dadurch vermeidet Szondi eine dualistische Schau des menschlichen Schicksals. Die vier symmetrischen Achsen schneiden sich in einem Mittelpunkt. Damit bildet sich ein achteckiges Muster.


Abb. 6 Das axiale oktogonale Polaritätensystem nach Leopold Szondi (1972,83; 1984, 12)

Szondi (1954, 22; 1956, 156, 160; 1968, 81) lässt sein zunächst ausserzeitlich verstandenes oktogonales Polaritätensystem auf einer „Umlaufbahn“ seine „Schicksalskreise“ drehen. Das Bild des Rades verweist symbolhaft auf die Zeit. Szondi (1963, 389ff; 1972, 68, 399; 1980, 46ff) versucht so jene durch die Entwicklung bedingten raumzeitlichen Modifikationen des ursprünglich zeitlosen, idealtypischen axialen Polaritätensystems in faktoriellen „Umlaufbahnen“, verteilt auf die vier Vektoren, einzufangen. Das „metaphysische Ich“, das „Pontifex-Ich“, der „innere Lenker“ des Schicksals, Atman, bildet die „Achse des Schicksalsrades“, in welche die Pole wie Speichen münden (Szondi 1954, 1954a).

Archetypisches Ordungsschema der Schicksalsdiagnostik
In einer früheren Publikation (Bürgi; Fischer 1983, 105ff.) wurde die Polaritätenlehre Szondis in einer Jungschen Perspektive als archetypische Ordnungsschema begriffen. Die archetypische Gestaltung kommt in der quaternären Struktur, der Symmetrie und Geschlossenheit sowie in der Faszination des Systems, welches Menschen als Lebenskompass „im Labyrinth des Lebens“ dient, zum Ausdruck. Bei der intensiven Suche  Szondis nach der endgültigen Zahl der Triebfaktoren entsprang die Lösung einer nächtlichen Intuition. Szondi sah in einem Traumbild sein Triebsystem mit der Quaternität der Triebe und der Doppelvier der Triebfaktoren. Es verwundert nicht, wenn Szondi auf die ihm oft gestellte Frage, warum er gerade acht Faktoren gewählt habe, nie eine Antwort zu geben vermochte. Das polhafte Triebsystem, die Polaritätenlehre der Experimentellen Triebdiagnostik, kann auch als Abbild der Einigung von seelischen Gegensätzen irgendwann auf dem persönlichen Individuationsweg Szondis betrachtet werden.
Im schicksalspsychologischen Strukturschema der Psyche bilden die Pole h, s, d und m die „animalen“ Strebungen des „Randes“. Durch sie hat der Mensch Zugang zum „Endlichen“ und erlebt die „Umwelt“, die gegenständliche Welt und die äussere Realität. Die Pole der Zentralstrebungen e, hy, k und p stellen die „Mitte“ Vergl. Szondi 1956, 465; Sedlmayr 1985, 160, 170, 172) des Schemas dar. Durch die sozialpositiven humanen Zentralstrebungen findet der Mensch Zugang zur „Innerlichkeit“ und „Mitwelt“ sowie zum erleben des „Absoluten“ und „Ewigen in sich“ (Szondi 152, 152; vgl. 1954, 28).


Abb. 7 Das quaternäre, die Ganzheit der Seele ausdrückende Strukturschema der Schicksalsdiagnostik nach Leopold Szondi (1972, 83)

Die Wirklichkeitsschau der Schicksalsdiagnostik
Szondi (1972, 68, 209, 399); 1954) begreift das menschliche Leben wesentlich als immerwährenden Wandel, als Werden, immerfort Fliessendes, als Kreislauf und Dynamik. Das Schicksal, der Lebenslauf eines Menschen, ist Geschichte seiner Wandlungen (Szondi 1947, 211-219; 1952, 29f; 1954, 32; 1956; 152f). Die Dynamik des Wandels stammt aus dem dialektischen Wechselspiel von komplementären Polaritäten. Szondi versteht alle Manifestationen der physikalischen und seelischen Wirklichkeit, die Planmässigkeiten, Gestaltungen und Strukturen des Lebens als Resultanten des dynamischen Zusammenspiels von sich ergänzenden Polaritäten (Szondi 1972, 209; 1956, 155) Was uns als relativ stabile Struktur der physikalischen und seelischen Welt imponiert, ist in Wahrheit lediglich „partielles“ und „episodisches“ Übergangsphänomen im Wandel eines zyklischen Prozesses (Szondi 1956, 33ff, 157). Scheinbar stabile Lebensmuster und Lebensäusserungen, Formen und Figuren der physikalischen Welt sind im Grunde genommen Ausdruck eines dynamischen Gleichgewichtes zwischen komplementär aufeinander bezogenen Polaritäten. Augenscheinlich Unverrückbares ist in Tat und Wahrheit ein Übergangszustand. Szondis Schicksalsdiagnostik ist geprägt durch die Intuition, dass in jedem komplementären Gegensatzpaar (Polarität) die Pole dynamisch und untrennbar aufeinander bezogen sind und eine Einheit bilden. Wenn ein Polaritätenpol proportional zum anderen zu stark wird, dann wird er in den Gegenpol umschlagen. Hat ein Pol seinen Kulminationspunkt erreicht, tritt der Gegenpol an seine Stelle, wobei dieser den anderen Pol gleichsam keimhaft in sich trägt. Wo der eine Pol wächst, nimmt der andere ab, wo der eine abnimmt, wächst der andere. Somit sind sogar Extrempositionen in der Erscheinungswelt dynamisch betrachtet komplementäre Aspekte eines Prozesses. Der Kreislauf der Polaritäten wird bei Szondi zum Ausdruck des relativen Wertes aller Dinge. Nach Szondi gilt es deshalb nicht einseitig nach dem Guten zu sterben und das Böse zu vertreiben, sondern vielmehr Gut und Bös als zwei Seiten der eigenen Ganzheit wahrzunehmen und sie in einem dynamischen Gleichgewicht zu halten (Szondi, 1969; 1972, 209, 231; 1973). Aus der Polaritätenlehre ergibt sich ein für die Schicksalsdiagnostik nach Szondi wichtiges Verständnis für Gesundheit und Krankheit. Gesund ist ein Mensch, der seine seelischen Dualitäten in komplementäre Gegensatzbeziehungen (Polaritäten) zusammenführen und deren relatives Gleichgewicht zu ertragen vermag. Erträgt ein Mensch das komplementäre Zusammenspiel von Polen nicht, überführt er die Pole in dualistische Gegensätze, leidet und erkrankt er. Begibt sich der zum „Ganzbild“ der Wirklichkeit durchgedrungene Mensch, der „homo humanus“ nach Szondi, wie es für ihn kennzeichnend ist, gar in den Bereich jenseits und zwischen den Polaritäten, ist er zur Überwindung und Befreiung von leidbringenden Dualismen gelangt (Szondi 1972, 96, 169; Bürgi 1988; 1989).

Verwandtschaft zwischen dem schicksalsdiagnostischen Strukturschema und dem I Ging
Wenn sich auch das I Ging in der deutschen Erstausgabe von Richard Wilhelm (1924) in der Privatbibliothek Szondi findet, fehlen darin die für Szondi sonst typischen Spuren des Studiums und Gebrauchs. Szondi war sich hingegen des grossen Stellenwertes bewusst, den das I Ging bei C.G. Jung und in der analytischen Psychologie hatte. Er fand Zugang zur taoistischen Polaritätenlehre über das Studium von C.G. Jungs „Psychologische Typen“. Bekanntlich findet die taoistische Polaritätenlehre, wie sie dem I Ging zugrundeliegt, ihren prägnanteste Verdichtung im Zeichen TAI-GI. Es ist bemerkenswert, dass sich die Wiedergabe des Tai-Gi Symbols in der letzten Veröffentlichung Szondis (1984) findet.


Abb. 8 Tai-Gi. Das taoistische Prinzip der Polarität (Szondi 1984)

Sowohl mit dem schicksalsdiagnostischen als auch mit dem taoistischen Denken Vertrauten springen die Parallelen zwischen beiden Wirklichkeitsperspektiven ins Auge. Die vom Buch der Wandlungen (I Ging) gebrauchte Ursprache löst in hervorragendem Masse jenes Kriterium ein, das Szondi für den Vergleich mit seiner eigenen schicksalsdiagnostischen Ursprache als einzig wichtig erachtet, nämlich „Gegensätze zu einer Einheit, zu einer Ganzheit zusammenzuspannen“. Es sind die strukturellen Entsprechungen zwischen der taoistischen Polaritätenlehre des I Ging und der Polaritätenlehre Szondis, welche erst einen Vergleich beider schicksalsdeutenden Methoden rechtfertigen und zulassen. Durch das Gewahrwerden dieser gemeinsamen Basis wird vermieden, dass nur Äusserliches, bloss ins Auge Fallendes oder Details, welche sich nur ähnlich anhören, genauer besehen jedoch verschiedenen Grundauffassungen entspringen, unbegründet miteinander verglichen würden.
Es ist das Verdienst des Schweizer I Ging-Kenners, Peter H. Offermann, wohl als erster auf enge Verbindungen zwischen dem Buch der Wandlungen und der Schicksalsdiagnostik nach Leopold Szondi aufmerksam gemacht zu haben. „Das schicksalsanalytische Grundkonzept zeigt frappante Parallelen zum I Ging.“ Diese Feststellung von Offermann (1985) basiert auf den Kenntnissen der Experimentellen Triebdiagnostik, die er als einer der ersten Schüler Szondis in dessen Schweizer Schaffensphase angeeignet hatte und auf der Vertrautheit mit dem I Ging. Zur Bereicherung einer eigenen I Ging-Ausgabe griff Offermann auf Deutungsmethoden Szondis zurück.
 
Die Ursprache des I Ging
Yin und Yang sind die beiden Urpolaritäten, welche dem vor- und übergegensätzlichen TAI-GI entspringen. Yin und Yang sind die polaren Manifestationen des Tao. Die zwei Punkte im Zeichen bedeuten, dass beide polaren Kräfte auf dem Höhepunkte ihrer Entwicklung bereits den Keim ihrer polaren Entsprechung in sich tragen und beginnen, in diese umzuschlagen. Yin und Yang sind in einem steten Wechsel miteinander begriffen. Diese fortwährende Wandlung ist die Grundeigenschaft von Yin und Yang. Auf Ying folgt Yang, auf Yang folgt Yin. Sie sind zueinander ihre Ergänzung. Jede Überbetonung des einen Pols lässt den anderen Pol hervortreten. Yin und Yang sind komplementär-polare Kräfte, welche die Vielfalt der im Universum vorkommenden Polaritäten in sich bergen. Aus ihrem polar-komplementären Zusammenwirken und zyklischen Wechselspiel entsteht das ganze Universum. Das über Jahrtausende gewachsene I Ging basiert auf einer Sammlung von 64 Figuren oder „Hexagrammen“, zusammengesetzt aus sechs Linien, die Zahlbedeutungen haben. Die Hexagramme sind Kombinationen aus acht “Trigrammen“, die aus durchgezogenen und/oder unterbrochenen Linien bestehen. Die durchgehenden Linien sind Yang-Linien, die unterbrochenen Yin-Linien.


Abb.9 Die acht Trigramme. Der Grundwortschatz der „Ursprache“ im I Ging

Die acht Trigramme „sind Zeichen wechselnder Übergangszustände, Bilder, die sich dauernd verwandeln. Worauf das Augenmerk gerichtet war, waren nicht die Dinge in ihrem Sein (…), sondern die Bewegungen der Dinge in ihrem Wechsel. So sind die acht Zeichen nicht Abbildungen der Dinge, sondern Abbildungen von Bewegungstendenzen“ (Wilhelm 1965, 11). In den Trigrammen drückt sich der Grundgedanke der Wandlung aus.

64 Hexagramme, die Bausteine der Schicksalspläne im I Ging
Die acht Trigramme kombinieren sich zu „Hexagrammen“, bestehend aus sechs Linien, von denen drei ungebrochen (durchgehend) und drei gebrochen (in der Mitte unterbrochen) sind. Aus diesen sechs Linien lassen sich waagerecht angeordnet 26, d.h. 64 Kombinationen bilden.
Hexagramme werden aus 2 Mal 3 Linien, also aus zwei „Trigrammen“, hergeleitet. Die durchgehenden Linien gelten als die festen und lichten Yang-Linien, die unterbrochenen Linien gelten als die weichen und dunklen Yin-Linien. Die Linien haben nach ihrem Platz innerhalb des Hexagramms (von unten nach oben gesehen) unterschiedlichen Rang und Bedeutung.
In einem Hexagramm werden bestimmte Linien als „ruhend“, andere dagegen als „beweglich“ bezeichnet. Bewegliche Linien, sogenannte „Wandlungslinien“ wandeln sich in ihr Gegenteil. Aus Yang-Linien entstehen Yin-Linien und umgekehrt.
 


Abb. 10 Die 64 Bausteine des Schicksals im I Ging

Die axialen, oktogonalen Polaritätensysteme von Fu Hsi und und Leopold Szondi
Fu Hsi gilt als legendärer Schöpfer der acht Trigramme. Er stellte allem Werden und Vergehen ein Kräfteziel aus acht polaren, sich ergänzenden Kräften zugrunde. In ihrer bildhaften Darstellung erscheinen sie als Trigramme in einer paarweisen und radialen Anordnung. Vier symmetrische Achsen schneiden sich in einem zentralen Punkt. Ein und dieselbe Achse stellt sowohl die positive  als auch die negative Seite derselben Kraft dar. Die polaren Kräfte stehen sich auf der gleichen Achse gegenüber. Damit ergibt sich ein oktogonales Muster aus acht gegenüberliegenden Trigrammen, in denen die Yin- und Yang-Linien in polarer Weise ausgetauscht erscheinen (Abb. 11). Der gemeinsame Mittelpunkt des Achsenkreuzes deutet jene übergegensätzliche Einheit an, welche die Polaritäten in sich zusammenfallen lässt. Die acht axial gegenüberliegenden Trigramme stehen in gegenseitigem Kontakt und wechselseitiger Beziehung, sodass es zu ihrer Vereinigung in Hexagrammen kommt (Abb. 12). Die Vereinigung polar entgegengesetzter Trigramme in den Hexagrammen macht nochmals deutlich, wie sehr das I Ging jenes von Szondi unterstrichene Charakteristikum einer Ursprache einlöst, nämlich Gegensätze zu einer Ganzheit zusammenzuspannen. Die radiale „urweltliche“ Anordnung der Trigramme nach Fu Hsi stellen ein zeitloses idealtypisches Bild des Gleichgewichts und Ausgleiches aller polaren Kräfte dar, welche im gemeinsamen Mittelpunkt im Wechselspiel ineinander gehen. Mit seinem abstrakten System drückt Fu Hsi die grundlegenden universellen und polaren Gesetze und Kräfte aus, die unser Schicksal beherrschen, ohne dabei die Modifizierungen des polhaften Kreislaufes durch die Erdzeit zu berücksichtigen. Der Standpunkt von Fu Hsi ist ein geistiger, universeller, der Zeit und dem Alltagsbewusstsein enthobener (Govinda 1983). Die Betonung der Polarität der universellen Kräfte und ihre Darstellung als ewiges Grundmuster war ihm wichtiger als der Hinweis auf deren Eingebundenheit in die raum-zeitlichen Gegebenheiten des Alltagsgeschehen.


Abb. 11 Das axiale, oktogonale Polaritätensystem nach Fu Hsi


Abb. 12 Die ursprachlichen „Komposita“ des I Ging. Hexagramme mit den polaren Trigrammen nach Fu Hsi

Im Vergleich zu Fu Hsi gelangte Szondi (1972, 83; 1984, 12) ebenfalls zu einem axialen, oktogonalen Muster, das dem menschlichen Schicksalslauf zugrundeliegt. Das ausserzeitliche Grundmuster Szondis beruht auf der paarweisen Anordnung von acht polar strukturierten Triebkräften (“Faktoren“, „Radikalen“). Im idealtypischen Zustande des dynamischen Gleichgewichtes liegen die Kräftepaare, die polhaften Tendenzrichtungen der Faktoren, auf derselben Achse und bilden so eine Einheit. Dadurch vermeidet Szondi eine dualistische Schau des menschlichen Schicksals. Die vier symmetrischen Achsen schneiden sich in einem Mittelpunkt. Damit bildet sich ein achteckiges sternförmiges Muster (Abb. 13).


Abb. 13 Das axiale oktogonale Polaritätensystem nach Leopold Szondi (1972, 83; 1984, 12)

Deutungsmethoden Szondis und des I Ging im Vergleich
In der Schicksalsdiagnostik Szondis kündigen sich die „Wandlungen“ eines Wurzelfaktors („Radikals“) in der „Beweglichkeit“ und „Mobilität“ der Protokollierungszeichen, in diversen „Umschlagreaktionen“ (aus + wird -, aus – wird +), in „Entladungen“ (0-Reaktionen) und „Vorentladungen“ (± -Reaktionen) an (Szondi 1947, 211; 1952, 86, 95; 1972, 457).
Im I Ging wandeln sich bewegliche Linien, die „Wandlungslinien“ in ihr Gegenteil. Aus Yang-Linien entstehen Yin-Linien und umgekehrt.
Von einem Ausgangshexagramm (Grundhexagramm) mit Wandlungslinien entwickelt sich im Rahmen der Deutungsmethodik des I Ging ein neues Hexagramm, ein Komplementär-Hexagramm, welches die Bedeutung des Grundhexagrammes modifiziert. Das Komplementär-Hexagramm zeigt neue Tendenzen, „Keime“ für Wandlungen und Veränderungen auf dem Schicksalsweg an. Ein Hexagramm ohne Wandlungslinien („ruhendes Hexagramm“) deutet auf eine relativ stabile oder auch erstarrte Konfiguration. Das zuerst gewonnene Grundhexagramm bezieht sich auf die gegenwärtige Situation oder auf die unmittelbare Vergangenheit. Das ergänzende, komplementäre Hexagramm gibt Hinweise auf künftige Entwicklungen und Wandlungen.
Zu den Interpretations- und Deutungsmethoden des I Ging, die sich aus der taoistischen Einsicht ergeben, wonach polare Gegensätze ineinander keimhaft verborgen liegen, weist die Schicksalsdiagnostik Szondis Parallelen auf. Dazu gehören die „Ergänzungs“- oder „Komplementmethoden“ der Experimentellen Triebdiagnostik, welche durch die Berücksichtigung der Vorder- und Hintergängerdynamik von seelischen Polaritäten die Vielfalt der „Bewegungen“, „Umdrehungen“ und „Wandlungen“ im Schicksal der Menschen erfassen und voraussehbar machen wollen (Szondi 1947, 216; 1952, 29, 86, 102, 116, 200; 1956, 153; 1972, 68, 209, 291). Die methodischen Vergleiche zwischen den Reaktionen in der Vordergrundprofilen, theoretischen und experimentellen Komplementärprofilen dienen Szondi (1952, 204ff; 1972, 232-265) der Einschätzung der „relativen“ oder „übermässigen“ Stärke oder Schwäche von polaren Vordergrund- und Hintergängerstrebungen und Tendenzen. Damit soll eine Voraussage darüber möglich werden, ob und wie weit „Neuorientierungen“ im Wechselspiel der Polaritäten und damit im Schicksal des Menschen auftreten werden.
In der Sicht des I Ging können aus der Vereinigung der Trigramme zu Hexagrammen unterschiedliche Bewegungen entstehen. Die vereinigten Trigramme können in Divergenz und Opposition miteinander geraten. Sie vermögen sich zu durchdringen und zu stärken oder durch ein Auseinanderstreben zu schwächen.
Im Vergleich dazu ist es auch für Szondi besonders wichtig zu wissen, ob die Vektorbilder „integriert“, das heisst „vermischt“, „legiert“ oder „desintegriert“ und „entmischt“ sind. Bei der „Vermischung“ verstärken sich und durchdringen sich zwei Tendenzen- und richtungsgleiche Triebfaktoren. Liegt hingegen eine „Entmischung“ („diagonale Spaltung“) vor, wirken zwei richtungsverschiedene Faktoren aufeinander. Sie geraten ohne gegenseitige Steuerung in Divergenz und Oppositionen (Szondi 1980, 36).

Die Literaturhinweise beziehen sich auf das Literaturverzeichnis der Originalarbeit.
Bürgi-Meyer, K. (1990): Schicksalsdiagnostik – Spiegel der Wandlungen. In: szondiana, Zeitschrift für Tiefenpsychologie und Beiträge zur Schicksalsanalyse. 10. Jahrg./Heft 1, 5-46